Um es gleich vorweg zu nehmen: es handelt sich um Fake News. Ich habe Trevor Noah nie getroffen. Leider. Aber beinahe. Wenn es Sie interessiert, was Trevor Noah mit meiner eigenen Lebensgeschichte zu tun hat: einfach weiterlesen.

Trevor Noah

Drehen wir das Rad drei Jahre zurück. Damals hatte ich die Emailadresse von Trevor Noah’s PR Manager vor mir. Ich plante ein Interview fuer eine Zeitschrift mit ihm, wo es sich um die Schweiz und Südafrika dreht. Trevor mit seiner südafrikanischen und Schweizer Abstammung: das passte perfekt. Zu jener Zeit hatte er als Stand-Up Komiker den Durchbruch in Südafrika bereits geschafft und tourte mit seiner Comedy Show durch die ganze Welt. Seine Bekanntheit war damals jedoch noch in erster Linie auf seine Heimat begrenzt.

Ich wollte mit ihm über seine Kindheit reden, welche er im Soweto-Township in Johannesburg erlebte. Wie fühlte es sich an, als Sohn einer südafrikanischen Xhosa und eines Deutschschweizers während der Apartheid aufzuwachsen, als gemischtrassige Beziehungen in Südafrika verboten waren? Und mit einer derart starken Mutterfigur, die ihn so enorm prägte, sowie einem Vater, der kaum präsent war. Ich hatte Fragen über Fragen.

Aber diese Fragen konnte ich ihm nie persönlich stellen. Jon Stewart machte mir einen Strich durch die Rechnung: der frühere Moderator der «Daily Show» bot ihm den Job als sein Nachfolger an und Trevor nahm die grösste Karrierechance seines Lebens an. Dies katapultierte ihn nicht nur auf den Sessel des Hosts einer der populärsten Late Night Talk Shows in den USA, sondern machte ihn über Nacht weltbekannt. Der Name Trevor Noah – übrigens sein echter Name – war plötzlich in aller Munde.

Ein Südafrikaner bringt Amerikaner zum Nachdenken
Seit Trevor bei der «Daily Show» übernommen hat habe ich keine Sendung verpasst. Dabei interessieren mich nicht die vornehmlich amerikanischen Themen, sondern wie Trevor sie in seiner Rolle als krasser Aussenseiter beleuchtet, analysiert und auf die Schippe nimmt. Da sitzt nun dieser junge Mann, der aus den ärmsten Verhältnissen Südafrikas stammt, und bringt die amerikanischen – und internationalen – Zuschauer zum Lachen. Aber nicht nur das: mit seiner ganz eigenen, subtilen und oft tiefsinnigen Art ruft sie Trevor zum Nachdenken auf. Erstaunlich, was in der modernen Gesellschaft in Erstweltländern alles schiefläuft, wenn man es einmal aus einer komplett anderen Perspektive anschaut. Ich kann es mir nicht verkneifen zu denken, dass dieser junge Südafrikaner momentan genau das ist, was Amerika braucht.

Trevor Noah’s home is Soweto, a large township in Johannesburg

Erst 34 Jahre alt, steht Trevor trotz seines Ruhms nach wie vor mit beiden Beinen auf dem Boden, ist absolut glaubwürdig und sich selber treu geblieben. Dies ist kein Zufall und hat mit seinem Vorbild zu tun: seiner Mutter Patricia, welche nach wie vor im gleichen Township wie früher lebt und unverändert ihrem einfachen Leben nachgeht. Sie interessiert sich überhaupt nicht für die Berühmtheit ihres Sohnes, nur für ihn als ihren Sohn. Diese Qualität hat Patricia Noah auf ihren Sohn übertragen, und aus diesem Grund hebt er nicht ab. Was soll ich sagen: ich finde Menschen, die nicht korrupt sind und sich den Kopf verdrehen lassen, einfach toll!

Lebenslektionen in Südafrika
Mein besonderes Interesse an Trevor’s Geschichte kommt daher, dass ich als Schweizerin selber seit 16 Jahren in Südafrika lebe. Den Grossteil davon habe ich im wilden, ursprünglichen Ostkap gewohnt, der Heimat von Trevors Mutter. Ich kenne die Xhosa-Kultur und -Menschen und die Südafrikaner, die in den Townships und einfachen Communities leben, haben einen grossen Einfluss auf mich. Von ihnen lerne ich die Werte, die mir persönlich am Wichtigsten erscheinen: Bescheidenheit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Lebensfreude und ein unglaublich ansteckender Optimismus. Gleichzeitig zeigt mir ihre einfache Lebensweise jeden Tag auf, wie privilegiert all jene leben, die ein richtiges Dach über den Kopf haben, ein Auto fahren und Bedürfnisse stillen können, die über den täglichen Überlebenskampf hinausgehen.

Im Township in Johannesburg hat Trevor gelernt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Von seiner Kindheit dort stammen die wahren Qualitäten, die im Leben zählen und welche er nun mit der Welt teilt. Südafrika hat mich das Gleiche gelehrt.

Ein Zusammentreffen mit Trevor Noah habe ich knapp verpasst. Wie einst auch mit Nelson Mandela in Kapstadt. Aber das ist eine andere Geschichte.